Back in Women World Tour

Kaum war das erste Rennen in der WomenWorldTour für mich vorbei, befand ich mich schon wieder in den nächsten Rennen der WomenWorldTour, den Ardennen Klassikern. Einem super Auftakt bei der Trofeo Alfredo Binda mit einem 25. Platz, folgte in Belgien ein enttäuschendes Rennen mit einem Sturz bei La Fleche Wallonne und ein krönender Abschluss mit Platz 18 bei Liege-Bastogne-Liege.

Gleich eine Woche nach der Valencia Rundfahrt startete ich bei dem WWT Rennen Trofeo Alfredo Binda. Entgegen der aufwendigen Anreise in den letzten Jahren, wo ich zuerst mit dem Auto 4-5 Stunden fahren musste, um dann mein Team zu treffen, ging es heuer mit Flugzeug nach Mailand, und von dort mit dem Teamauto ins Teamhotel, welches idealerweise direkt an der Rennstrecke lag. Schon beim Einfahren fühlte ich mich gut und freute mich riesig auf das bergige Rennen. Nach der Teambesprechung wurden Alice Barnes und Ann-Sophie Duyck als Leader nominiert, also stellte ich mich voll in den Dienst unserer Teamleaderinnen. Ich bliebe den ganzen Tag an der Seite von Ann-Sophie bis sie mir freie Fahrt gab, da sie das Gefühl hatte, dass ich am Berg stärker war als sie. Für diese Ehrlichkeit war ich ihr unendlich dankbar. Also nützte ich die Chance und schon befand ich mich, nach dem letzten Anstieg in der Schlussrunde, in der 30-köpfigen Führungsgruppe.  Ich hatte sogar noch Kraft um einer weiteren Attacke zu folgen und befand mich kurzfristig in einer 3-köpfigen Spitzengruppe. Dann kam es aber zu einem Sprint dieser 30-köpfingen Gruppe und ich befand mich leider in der Kurve vor dem Ziel nicht in bester Position weshalb es dann „nur“ der 25. Platz wurde. Dennoch war ich mit meinem Rennen super zufrieden, denn auch wenn ich den Zielsprint vermasselt habe, war das mein bestes Eintages-WWT-Rennen und ich war mit meiner derzeitigen Form doch etwas überrascht. Noch bevor ich vom Rad steigen konnte, wurde ich auch schon zur Dopingkontrolle aufgefordert. Nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt für eine Kontrolle, wenn du nur noch 3 Stunden bis zu deinem Heimflug hast und du noch mindestens 1 Stunden zum Flughafen brauchst. Gottseidank konnte ich das Ding schnell durchziehen und ich schaffte es noch pünktlich zum Flughafen.

 

Nach diesem Rennen folgten eine 3-wöchige Rennpause und eine etwas stressigere Zeit in der Arbeit mit vielen Terminen. Nach einem 1-wöchigen Ausdauerblock startete ich wieder mit Intervallen.  Diese Intervalle fielen mir nach langen Arbeitstagen nicht unbedingt leicht und ich war an den Wochenenden doch immer ziemlich müde. Doch die Zeit daheim verging wie im Flug und schon standen die nächsten Rennen am Programm.

 

Nach den Osterfeiertagen machte ich mich auf den Weg nach Belgien zu den Ardennen-Klassikern mit La Fleche Wallonne am Mittwoch und Liege-Bastogne-Liege am Sonntag. Obwohl ich großen Respekt von der Mur de Huy, einem 1,3km langen seeeeehr steilen Anstieg, hatte, welchen wir 2 Mal im Rennen zu bewältigen hatten, freute ich mich schon wieder auf das Rennen. Meine Beine fühlten sind gut an und die ersten Kilometer wurden von den großen Teams richtig schnell gestaltet. Bei Kilometer 45 passierte dann das große Unglück. Mitten im Feld kamen einige Fahrerinnen vor mir zu Sturz und ich konnte nicht mehr ausweichen, entschied mich aber geistesgegenwärtig für einen Sturz in den Straßengraben anstelle von Asphaltkontakt, womit ich relativ weich landete.  Ich war gleich wieder am Rad, leider hatte aber mein Vorderrad einen Achter und ich konnte nicht weiterfahren und musste über 5 Minuten auf ein neues Vorderrad warten, da wir Konvoinummer 21 hatten und aufgrund des Massensturzes entsprechendes Chaos herrschte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nicht, dass ich die Mauer überhaupt noch sehen würde. Glücklicherweise konnte ich mit dem Teamauto nach mehr als 15 km Motorpacing den Anschluss an das Feld wiederherstellen, was mich aber auch sehr viel Energie kostete. Das spürte ich schon als wir bei Kilometer 91 das erste Mal über die Mauer fuhren. Auf dem nächsten Berg konnte ich dann den Anschluss an die 30-köpfige Gruppe nicht mehr halten und befand mich in der 2. Gruppe dahinter. Meine Beine waren so leer, dass ich nicht mehr wusste, wie ich das letzte Mal diese 1,3 km schaffen sollte. Dementsprechend miserabel war mein Ergebnis mit Platz 54. Natürlich war ich entsprechend enttäuscht. Zur großen Freude wurde ich schon wieder im Ziel zur Dopingkontrolle aufgefordert. Dieses Mal hatte ich wenigsten keinen Stress, dass ich noch ein Flugzeug erwischen musste. Dennoch brachte ich diese schnell hinter mich, da ich mir logischerweise noch das Männerrennen ansehen wollte. Danach ging unsere Reise weiter nach Bastogne, wo wir für weitere 3 Tage blieben, um auf das nächste WWT Rennen am Sonntag zu warten.

 

Da saß ich nun 3 Tage mit meinen Teamkolleginnen in einem Motel in Bastogne. Während diese die halbe Zeit im Bett verbrachten, hatte ich mein Home-Office dabei und erledigte meine Arbeit neben 1-2-stündigen regenerativen Trainingseinheiten am Rad. Die Regeneration stand auf jeden Fall im Vordergrund, da ich doch ziemlich erschöpft vom Rennen war. Zumindest hatten wir Glück mit dem Wetter, es war zwar nicht war, dafür aber trocken.

 

Am Samstag reisten wir dann nach Pommerloch in Luxemburg weiter, wo wir die Nacht vor dem Rennen am Sonntag verbrachten. An Sonntag war es dann endlich so weit und der Ardennenklassiker Liege-Bastogne-Liege wurde das erste Mal für Frauen ausgetragen. Ich stand an der Startlinie und mein ganzer Körper zitterte, aber nicht wegen meiner Nervosität, sondern aufgrund der eisigen Temperaturen von 2 Grad. Die ersten Kilometer fühlten sich furchtbar an, da mir so kalt war, dass ich nicht dachte, dass ich dieses Rennen überstehen würde. Je länger und schwerer es aber wurde, desto besser fühlte ich mich. Da ich die Strecke, außer dem Profil im Roadbook, überhaupt nicht kannte war ich meiner Teamkollegin Ann-Sophie unheimlich dankbar, dass sie all ihre Informationen aus ihrer Recon-Fahrt mit mir teilte. Ohne diese Infos hätte ich wohl nicht überlebt. Und nach dem letzten schweren Anstieg befand ich mich in einer 12-köpfingen Verfolgergruppe hinter einer 3-köpfigen Spitze und weiteren 8 Fahrerinnen dahinter. Also sprinteten wir im Schlussanstieg um Platz 12, wo ich dann den 18. Platz belegte. Das ist ein Traum-Ergebnis für mich, mein erstes Top-20 Ergebnis in der Women’s World Tour, wovon ich tatsächlich nur geträumt habe, während mein DS fest davon überzeugt war, dass ich das Zeug dazu habe. Ich bin einfach sehr glücklich über dieses Ergebnis und mein Rennen.

 

Nach 2 Tagen zuhause und in die Arbeit ging meine Reise am Mittwoch mit dem Nationalteam nach Tschechien weiter, wo ich die Gracia Orlova Rundfahrt fahre. Ich hoffe mal wieder auf nicht zu schlechtes Wetter… Und wer wissen will, wie es danach weitergeht, der schaut einfach mal auf meinen Rennkalender, den habe ich nämlich endlich für 2017 online gestellt.

 

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